Brustwiederherstellung - Brustaufbau

Leider gehört die Diagnose Brustkrebs zu unserem Alltag geworden. Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung der Frau. 5500 Frauen erkranken jedes Jahr in der Schweiz an Brustkrebs. Anders ausgedrückt wird bei jeder 9. Frau irgendwann in ihrem Leben Brustkrebs festgestellt. Das Durchschnittsalter bei Feststellung der Erkrankung liegt bei etwa 65 Jahren. Jedoch sind immer jüngere Frauen mit dieser Krankheit konfrontiert, was auch mit dem Krebsfrüherkennungsprogramm zu tun hat, Brustkrebs wird heutzutage häufiger und früher aufgedeckt. In den meisten Fällen ertastet die Frau den Tumor jedoch bereits selbst. Die Patientinnen haben dank den Fortschritten in der Medizin und den jährlichen Checkups sehr gute Chancen den Tumor zu überleben. Entsprechend ist es sehr wichtig, dass mit diesen Patientinnen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung die Möglichkeiten der Brustwiederherstellung besprochen werden. Sicherlich ist es in dieser „Schocksituation“ für die Betroffenen schwierig sich mit dem Gedanken ihre Brust wegen Krebs vielleicht zu verlieren überhaupt zu befassen, aber gleichzeitig kann durch die Aufklärung über die Möglichkeiten der komplexen Wiederherstellung oftmals bereits neue Hoffnung gegeben werden.
Es ist uns sehr wichtig, dass mit der Patientin alle Möglichkeiten besprochen und gegeben werden. Hierbei können zum Beispiel die vorrangigen Ängste vor Attraktivitätsverlust und das Gefühl der „Unvollkommenheit als Frau“ mit der Wiederherstellung der Brust, vor allem in der Sofortwiederherstellung (gleichzeitig mit der Tumorentfernung) behoben oder zumindest stark abgeschwächt werden. Sicherlich ist auch die Wiederherstellung der Brust nach Jahren auch möglich, dies kann zu jedem Zeitpunkt erfolgen. Viele Frauen sehen es jedoch als eine grosse Erleichterung an, nach der Tumorentfernung bereits wieder mit 2 Brüsten nach der Operation aufzuwachen.
 
Zur Brustwiederherstellung (Brustaufbau, Mammarekonstruktion) stehen viele unterschiedliche Methoden zur Verfügung.
Die Entscheidung welche Art der Brustwiederherstellung durchgeführt wird, hängt von der Tumor-Art und Stadium, den anatomischen Gegebenheiten und dem Patientenwunsch ab. Also ist jeder Therapieplan individuell aufzustellen und benötigt ein eingehendes gemeinsames Gespräch.
Hierbei werden alle möglichen Methoden besprochen. Um eine Übersicht zu geben haben wir diese aufgelistet.
 
•  Wann findet die Wiederherstellung statt? Sofort, d.h. zum Zeitpunkt der 
Tumorentfernung oder zweizeitig d.h. später.
•  Kann man zwischenzeitlich etwas machen, um sich die Möglichkeiten offen zu halten und später zu 
entscheiden? Zwischenzeitliche Lösung mit Expander
(Dehnung der Brusthaut).
•  Welche Möglichkeit des Aufbaus gibt es? Aufbau mit Eigengewebe oder Silikon -
wenn Eigengewebe, welche Methode gibt es? Eigengewebe von Rücken, Bauch,
Oberschenkel oder Gesäß.
•  Welche Methode zum Wiederaufbau des Brustwarzenhofes und der Brustwarze  gibt es?  
Eigengewebe (oder Epithese das heisst etwas vergleichbares

   Synthetisches).
•  Ist eine Angleichung der Gegenseite notwendig? 
Es ist eine Straffung oder
Verkleinerung der Gegenseite oder auch eine Vergrösserung möglich, das richtet sich ganz nach dem Wunsch der Patientin. Für ein schönes Endresultat ist eine Angleichung der Gegenseite häufig zu empfehlen,aber nicht unbedingt notwendig wenn nicht gewünscht.
 
Zeitlicher Ablauf
Bei fast jeder Patientin besteht die Möglichkeit, die erkrankte Brust sofort oder später wiederaufzubauen. Beide Möglichkeiten bieten ihre eigenen Vor- und Nachteile. Bei einem sofortigen Wiederaufbau der Brust wird der Tumor entfernt und in derselben Operation die Brust wiederhergestellt. Der große Vorteil ist, dass die Patientin keine Übergangszeit ohne Brust und den damit verbundenen Problemen und Einschränkungen (Stigmatisierung, Prothesen-BH etc.) durchleben muss. 
 
Zwischenzeitliche Lösung
Bei vollständiger Brustentfernung oder bei unklarer weiterer notwendiger Therapie kann zwischenzeitlich ein Expander unter den bestehenden Brustmuskel gelegt und abgewartet werden. Das auffüllbare Silikonkissen kann nach Abheilung der Wunden (ungefähr nach 2-3 Wochen) in den Sprechstunden wöchentlich mit einer Kochsalzlösung gefüllt werden. Diese Kissen dienen als vorübergehende Platzhalter und werden problemlos vertragen.
 
Eigengewebe oder Silikonprothese?
Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Größter Nachteil der Brustsilikonimplantate ist die seltene Komplikation einer Fibrosierung der Kapsel, was zu Folgeeingriffen führen kann. Eigengewebe ist sicherlich die beste Methode. Es sieht meistens besser und natürlicher aus. Das Eigengewebe fühlt sich auch ähnlicher wie die frühere Brust an, wobei die heutigen Silikonimplantate auch sehr hohe Qualität beweisen.
 
Wiederherstellung des Brustwarzenhofes
Zur Komplettierung der Brustwiederherstellung wird der Brustwarzenhof (Areola) und die Brustwarze (Mamille) hergestellt. Auch hier sind verschiedene Ansätze möglich, die Brustwarze kann über eigenes Gewebe aufgebaut und/oder eine Art «tätowiert» werden.
 
Angleichen der Gegenseite
Falls es sich bei der Gegenseite um eine asymmetrisch grosse oder hängende Brust handelt, wird diese an die wiederhergestellte Brust angeglichen. Das heisst, dass man diese verkleinert oder nur strafft.
Bei einer Wiederherstellung der Brust mit Silikonprothese benutzen wir häufig auf der Gegenseite auch eine Silikonprothese, um möglichst ein perfektes ästhetisches Ergebnis zu erlangen.

Brustwiederherstellung

Prof. Dr. med. M. Shafighi

Facharzt für Plastische, Wiederherstellung und Ästhetische Chirurgie FMH

Fellow of the European Board of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery

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